Impuls für den Alltag

Impuls für den Alltag 

22.04.2018

 

Impuls 22.04.2018 

Joh.10, 11a „Ich bin der gute Hirt.“

Das Wort vom guten Hirten ist sicher eines der bekanntesten Bibelworte und durch die Jahrhunderte hindurch ist es in der Kunst ein gerne gewähltes Bild für Jesus, Ausdruck christlichen Vertrauens und Glaubens.

Würde ich, würden wir, spontan auch dieses Bild wählen wenn wir einem anderen Menschen erläutern sollten was wir glauben, was unseren Glauben ausmacht? Ist uns das Bild vom guten Hirten da nicht doch ein wenig zu gefühlvoll und unserer rationalistischen, materialistischen und individualistischen heutigen Gesellschaft nur sehr schwer vermittelbar? Wären wir nicht eher geneigt zum Nachdenken einzuladen zum Philosophieren und zum Argumentieren?

Nur werden wir mit Philosophieren und Argumentieren nicht weit kommen, denn der Glauben lässt sich nicht einfachhin erklären. Er nicht aus der Vernunft geboren, er ist etwas, das vom Herzen kommt und aus der Begegnung lebt. Glauben und Vernunft widersprechen zwar nicht einander aber der Glauben reicht über die Vernunft hinaus.

Wir müssen uns eben klar machen, dass wir Menschen ganz wesentlich aus dem Glauben leben. Ein Beispiel: wenn sich etwa jemand entschließt zu heiraten, zu einem anderen Menschen Ja zu sagen, dann ist das doch im Kern kein Ergebnis von Nachdenken und kritischer Prüfung. Es ist eine Herzenssache, die aus der Begegnung lebt. Es ist ein beherzt und vertrauensvoll unternommenes Wagnis, ein gläubiges Abenteuer auf Zukunft hin. Aber es braucht Entscheidung und Entschiedenheit.

Das schließt die Vernunft nicht aus. Im Gegenteil, die Vernunft muss bemüht bleiben Einsicht zu gewinnen in diese Bewegung des Herzens. Aber der Glaube, vom Herzen kommend und aus der Begegnung Kraft schöpfend  reicht über alle Vernunft hinaus, bleibt ihr letztlich ein Geheimnis. Solcher Glauben will sich treu bewähren, will Wagnis und Abenteuer auf Zukunft hin bleiben.

Entscheidung und Entschiedenheit sind auch gefragt wenn es um religiösen Glauben geht, wenn Jesus zu mir sagt „Ich bin der gute Hirt“.  Will ich das Wagnis eingehen ihm zu begegnen, mich auf ihn einzulassen? Wage ich das Abenteuer zu unternehmen und  Ja zu sagen? Riskiere ich mein Herz an ihn zu verlieren weil er, „der gute Hirt“, sein Herz bereits an mich verloren hat?

Religiöser Glaube ist eben nicht das Für-wahr-halten von Sätzen. Christlicher Glaube ist Ausdruck von Beziehung. Christlicher Glaube ist beherzt und vertrauensvoll unternommenes Wagnis, ein Ja zu Gott, der es gut mit mir meint. Christlicher Glaube ist ein Abenteuer auf Zukunft hin. Er ist nicht unvernünftig sondern, weil vom Herzen kommend, weit mehr als vernünftig.

 
Pater Happel

 

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